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Selo-Fachtagung

Erfahrungen aus Schottland zeigen den Weg

Depression: Mit Anti-Stigma-Kampagne Suizidrate senken

Bern, 30. Mai 2011 – Die nationale Fachtagung «Depression: Stigma bekämpfen, Suizide vermeiden» der Werner Alfred Selo Stiftung brachte renommierte internationale Referenten – darunter Ärzte, Psychologen und Politiker – an einen Tisch. Anhand der schottischen Anti-Stigma-Kampagne «See me» wurde den anwesenden Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft aufgezeigt, wie Aufklärungsarbeit Depressions-Betroffenen helfen und Suizide verhindern kann. Es herrschte Konsens, dass es in der Schweiz eine fortschrittliche Strategie zu psychischer Gesundheit und eine nationale Informationskampagne braucht.

Depression ist in der Schweiz nach wie vor ein Tabuthema, obwohl 20 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben depressive Episoden erleben. Viele Depressive leiden neben ihrer Krankheit zusätzlich unter Stigmatisierung und Ausgrenzung, was zu Folgeerkrankungen führen kann. Dieses «Abstempeln» basiert oft auf Unwissen.

Marylou Selo, Chris O’Sullivan und John P. Kummer
Marylou Selo, Chris O’Sullivan und John P. Kummer

«So entstehen diffuse Ängste, die den Boden für Vorurteile bereiten und Betroffene brandmarken», bedauert Stiftungsratspräsidentin Marylou Selo. Wie eine an der Tagung gezeigte repräsentative gfs-Umfrage der Werner Alfred Selo Stiftung aufdeckte, weiss die Schweizer Bevölkerung fast nichts über Ursachen, Symptome und Verläufe der verbreiteten Volkskrankheit. Depression verstehen – Betroffene vom Joch des Stigmas befreien Referent Dr. med. Hans Kurt, Facharzt für Psychiatrie und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, stellt klar: «Depression kann jeden treffen, es ist kein Zeichen von Willensschwäche. Psychische Erkrankungen gehören in den Bereich der Medizin. Es braucht Wissensvermittlung und Sensibilisierung, damit die Depression erkannt, rechtzeitig behandelt und so Schlimmeres verhindert werden kann.» Nicht behandelte Depressionen sind in der Schweiz der häufigste Grund für die jährlich 1400 Suiziden. Zwei Drittel davon betrifft Männer, der Anteil Jugendlicher ist beträchtlich. Die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine der höchsten Suizidraten.


Mit 150 Teilnehmern wurde eine erfolgreiche Fachtagung durchgeführt.

Schottland macht’s vor: Stigma abbauen mit nationaler Kampagne Ein Beispiel erfolgreicher Aufklärungsarbeit dokumentiert die seit Jahren laufende schottische Anti-Stigma-Kampagne «See me». Lanciert wurde sie vom schottischen Gesundheitsministerium in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen-Organisationen und lokalen Gruppierungen, die ihre Durchschlagskraft erst ermöglich haben. «Alle müssen am selben Strang ziehen», so Selo. Nicht nur hat sich die Einstellung der Allgemeinheit gegenüber psychisch Kranken markant verbessert. Die Evaluation der Kampagne hat gezeigt, dass die Suizide im landesweiten Schnitt kontinuierlich um über 10 Prozent abnahmen. Bei jungen Männern im Alter von 15-29 Jahren sank die Suizidrate gar um 40 Prozent.

Kostenfalle Depression

Genaue Kosten der Depression sind nicht greifbar. Jüngste Studien schätzen die Gesamtkosten auf ca. CHF 4 Millarden pro Jahr, wovon rund CHF 1 Milliarde auf rein medizinische Kosten entfällt. Hinzu kommen Kosten für IV, Reintegration und weitere Folgekosten. Diese Zahlen zeigen, dass sich durch Früherkennung und Prävention beträchtliche Summen für Behandlungs- und Folgekosten einsparen lassen.

Schweiz als «Entwicklungsland» punkto psychischer Gesundheit?

An der Podiumsdiskussion herrschte Konsens, dass Aufklärungsarbeit zur Entstigmatisierung und Prävention psychischer Erkrankungen dringend vonnöten ist. «Die heutige Tagung hat gezeigt, dass Fachleute und Betroffene gemeinsam den Weg pfaden», betont SP-Nationalrat Andy Tschümperlin. Mit seiner Motion «Wiedereingliederung durch Aufklärungskampagne über die psychischen Krankheiten» hat er den Stein auf politischer Ebene ins Rollen gebracht. «Es wird sich nun zeigen, ob mit dem Präventionsgesetz der nächste Schritt in die richtige Richtung getan wird.» Gemeinsam fordern die Betroffenen-Organisationen eine fortschrittliche Mental Health Policy in der Schweiz. Dabei müssen auch Bund und Kantone Verantwortung übernehmen, zum Beispiel bei der Finanzierung einer nationalen Aufklärungs-Kampagne.


Marylou Selo und SP-Nationalrat Andy Tschümperlin.

Marylou Selo bringt es auf den Punkt: «Hierzulande wird die psychische Gesundheit erschreckend vernachlässigt, auch punkto Suizidprävention ist die Schweiz ein Entwicklungsland. Ziel muss sein, dass die Schweiz, die auf so vielen Gebieten vorbildlich und führend ist, dies auch in Bezug auf die psychische Gesundheit wird.»

Dokumentation der Fachtagung «Depression: Stigma bekämpfen, Suizide verhindern»: Die Referate und Hintergrundmaterial zur schottischen Anti-Stigma-Kampagne «see me» können heruntergeladen werden auf www.selofoundation.ch

Die Werner Alfred Selo Stiftung

Diese Stiftung wurde 1994 in Zug gegründet. Die Stifterin ist Marylou Selo, New York City und Zug, welche im Andenken an ihre Eltern beschloss, für die Enttabusierung der psychischen Krankheiten auch in der Schweiz tätig zu sein. Ihr Vater, Werner A. Selo, litt sein ganzes Leben an Migräne und Depressionen. Der Zweck der Stiftung besteht darin, Forschungsprojekte, die die Depressionen und den Kopfschmerz betreffen, finanziell zu unterstützen und zu fördern.


Die Stiftung steht EQUILIBRIUM sehr nahe und hat unsere Arbeit in verdankenswerter Weise immer wieder mit namhaften Beiträgen unterstützt.

Der Stiftungsrat besteht aus sieben Mitgliedern, wobei Marylou Selo die Präsidentin ist. Marylou Selo ist zudem Ehrenmitglied des Vereins EQUILIBRIUM. Ihre Adresse in der Schweiz lautet: Marylou Selo, Hasenbühl 11, 6301 Zug, Tel./Fax: 041 711 79 00.

www.selofoundation.ch

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